Einstellungsbefragungen

Aktuell sind Begriffe wie „Extremismus“ und „Radikalisierung“ in aller Munde. Berichte über Anschläge auf Personen und Institutionen, über Ausschreitungen im Rahmen von Demonstrationen in Presse, Funk und Fernsehen sowie den sozialen Medien im Internet tragen oft zu Einschätzungen bei, wonach solche Phänomene zunehmen. Viele sehen dies als eine wachsende Bedrohung unserer Gesellschaft an. Es besteht allerdings Uneinigkeit darüber, ob damit verbundene Gefahren für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Bestand einer freiheitlichen demokratischen Ordnung stärker aus dem linken oder rechten politischen Spektrum oder aber aus dem Bereich eines politisch-religiös motivierten islamistischen Extremismus resultieren. Diskutiert wird ferner, wie solchen Phänomenen begegnet werden kann, wie insbesondere Prävention gestaltet werden soll. Um solche Fragen beantworten zu können, werden wissenschaftliche Untersuchungen benötigt, die eine umfassende Bestandsaufnahme des politischen Extremismus in seinen verschiedenen Formen auf einer breiten Datenbasis leisten und dabei auch dessen spezifischen sozialen Bedingungen in den Blick nehmen.

Die Untersuchungen in diesem Teilprojekt des MOTRA-Forschungsverbundes verfolgen in diesem Sinne das Ziel, ideologie- und phänomenübergreifend Erkenntnisse zur Verbreitung extremistischer Einstellungen in Deutschland und deren Veränderungen im Zeitverlauf zu gewinnen. Es geht dabei regelmäßig um Haltungen, die durch eine Ablehnung demokratischer Grundprinzipien und Freiheitsrechte sowie durch Intoleranz oder Hass gegenüber Fremden und Andersdenkenden gekennzeichnet sind. Weiter geht es auch um Meinungen zu Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung und Interessensdurchsetzung.

Erkenntnisse über solche Einstellungen und diesbezügliche Einflussfaktoren sind in mehrfacher Hinsicht bedeutsam. So können Personen mit solchen Einstellungen Unterstützerkreise und Rückhalt für Gruppen sein, die aktiv politisch motivierte Gewalt ausüben. Ferner sind derartige Einstellungen oftmals eine Vorstufe der Entwicklung aktiver extremistischer Handlungsbereitschaften und Aktivitäten.

Um entsprechende Potentiale und Entwicklungen früh erkennen, genauer analysieren und einschätzen zu können, wird in diesem Teilprojekt eine Dauerbeobachtung in Form jährlich wiederholt durchgeführter repräsentativer Umfragen der erwachsenen Wohnbevölkerung eingerichtet. Diese finden unter dem Titel „Menschen in Deutschland“ (MiD) statt. Neben der Erfassung politischer Meinungen und Einstellungen werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hier auch gebeten, Beobachtungen von Intoleranz, Hass und Extremismus mitzuteilen, die sie in ihrem regionalen Lebensumfeld gemacht haben.

Extremismen entstehen nicht selten vor dem Hintergrund von Verunsicherungen oder dem Erleben einer Bedrohung der eigenen Person oder der Gruppe, der man sich zugehörig fühlt. Auch solche Erfahrungen werden in diesem Teilvorhaben thematisiert. Hierzu werden ferner auch Daten und Erkenntnisse der anderen Teilprojekte aus MOTRA genutzt, die unterschiedliche Informationen über die Regionen enthalten, in denen die Befragten leben.

Die Befragungen der Gesamtbevölkerung sollen weiter ergänzt werden durch mehrfach wiederholte, gleichartige repräsentative Befragungen junger Menschen ab 16 bis 23 Jahren (unter dem Titel „Junge Menschen in Deutschland“ (JuMiD)). Jugendliche und junge Erwachsene sind oftmals ein besonderes Ziel der Rekrutierungsbemühungen extremistischer Gruppen und Organisationen. Hier bestehen insofern besondere Bedarfe einer entwicklungsangemessenen Prävention.

Ziel ist es letztlich, möglichst umfassend und früh, bereits auf der Einstellungsebene und unter Nutzung alltäglicher Beobachtungen, soziale Prozesse und Tendenzen zu erkennen, die zur Entwicklung von Extremismen führen können. Verbunden mit einer genaueren Analyse dazu, in welchen Teilgruppen und Regionen sowie aufgrund welcher Einflüsse derartige Entwicklungen stattfinden, kann dies dazu beitragen, Präventionsmaßnahmen gezielter auszurichten und wirksamer zu gestalten.

Für Mehr Informationen zur Bevölkerungsumfrage „Menschen in Deutschland“ klicken Sie bitte hier