Internetmonitoring

Radikales bzw. extremistisches Gedankengut hat längst den Weg ins Internet gefunden. Dies liegt nicht zuletzt an der Effizienz des Internets als Werkzeug zur Verbreitung und Beschleunigung von Inhalten. Es bietet die Möglichkeit rund um die Uhr global zu kommunizieren und zu interagieren, in Teilen sogar anonym. Extremistische Akteure nutzen dieses Potenzial gezielt für ihre Zwecke. Besonders im Hinblick auf soziale Medien wird die Verbreitung, Selbstdarstellung oder Rekrutierung im extremistischen Kontext erheblich erleichtert. Einhergehend damit erhöht sich auch die Chance der breiten Masse der Internetnutzer:innen, mit extremistischen Inhalten in Kontakt zu kommen.

Das Teilprojekt Internetmonitoring beobachtet und analysiert daher digitale Räume, Interaktionen und Diskurse, um Radikalisierungsprozesse sowie extremistisches Verhalten innerhalb und außerhalb derselben besser zu verstehen. Dabei werden phänomenübergreifend auch Ko-Radikalisierungstendenzen miteinbezogen.

Der Zugang zu diesen Informationen ist äußerst vielfältig. Spuren oder Indizien von Radikalisierungsdynamiken lassen sich überall im Netz finden und sind nicht nur in Form einer (globaleren) Zunahme von Hassrede und Verschwörungsdenken in Online-Diskursen zu beobachten. Nutzbar werden etwaige Information meist erst im Zeitverlauf oder im Vergleich. Was macht radikale Sprache im Vergleich zu gemäßigtem Sprachgebrauch aus? Was unterscheidet Gruppenchat-Verläufe von extremen Gruppen von weniger auffälligen Gruppen? Letztlich können so ganze Plattformen (z.B. Twitter vs. Gab) im Hinblick auf ihre Nutzer:innen bzw. deren Nutzungsverhalten analysiert werden.

Wesentlich dabei ist auch die Herstellung eines Bezugs zu realweltlichen Ereignissen. Dazu werden im Zusammenspiel mit den empirischen Langzeitstudien der MOTRA-Verbundpartner durch das Internetmonitoring ergänzende Informationen bereitgestellt und mit diesen Datenquellen verknüpft. Das Internetmonitoring trägt zusätzlich zum Technologieradar bei, indem es Informationen darüber sammelt, welche Technologien (auch im Sinne von Kommunikationstechnologien) im Internet benutzt oder besprochen werden. Dabei soll vorderrangig das Ziel erreicht werden einen genaueren Überblick über Trends, Themen und Akteure in digitalen Räumen zu erhalten.

Wie und in welchem Umfang Online-Inhalte und Online-Kommunikation sich konkret auf Radikalisierungsdynamiken auswirken, ist umstritten. Explizite Faktoren von Radikalisierung und der Rolle des Internets in diesen Prozessen können nur selten benannt werden. Zweck des Internetmonitorings ist es daher, wiederum in enger Zusammenarbeit mit den anderen Konsortialpartnern, Radikalisierungsverläufe im Internet zu analysieren, sichtbar und in Ansätzen prognostizierbar zu machen.

Insgesamt betrachtet liefert der Forschungsbeitrag des Internetmonitorings Informationen für mehrere Bereiche im Kontext der zivilen Sicherheitsforschung: die Präventionsarbeit, die politische Bildung, sowie den Umgang mit dem Internet und den sozialen Medien im Hinblick auf Extremismusprävention.