Protestmonitoring

Welche Rolle spielt politischer Protest bei der politischen Radikalisierung in Deutschland?

Zur Beantwortung dieser Frage untersucht das WZB-Protestmonitoring Radikalisierungs- und Protestdynamiken aus verschiedenen Perspektiven, mit besonderem Fokus auf den politischen und diskursiven Kontext und Wechselwirkungen zwischen islamistischer, rechts- und linksradikaler Mobilisierung. Das Projekt ist Teil des Forschungsclusters „Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung“ (MOTRA). Der Cluster wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium des Innern im Rahmen der zivilen Sicherheitsforschung gefördert. Das WZB-Projekt ist ein Gemeinschaftsprojekt des Zentrums für Zivilgesellschaftsforschung und der Abteilung „Migration, Integration und Transnationalismus“.

Das WZB Protestmonitoring ist innovativ, da es über klassische Protestereignisdatenbanken hinausgeht und systematisch drei Analyseebenen miteinander verbindet: Ereignisse, Diskurse und Akteure. Zunächst untersuchen wir Protestereignisse und konzentrieren uns dabei auf Fragen wie: Wann, wo, von wem und um welche Themen herum findet Protest statt? Welche Rolle spielt politisch motivierte Gewalt in der deutschen Protestarena? Welche räumlichen Bezüge und Brennpunkte – sowohl transnational als auch regional – lassen sich in Bezug auf radikale Protestformen identifizieren? Zweitens untersuchen wir die diskursiven Kontexte von politischem Protest und Radikalisierung. Welche Akteure, Themenfelder und Deutungsmuster werden im Zusammenhang mit Radikalisierung in der deutschen Öffentlichkeit diskutiert? Welche Konflikte und Eskalationsdynamiken prägen die Debatten? Drittens betrachten wir die Protestakteure und fragen, mit welchen soziostrukturellen Merkmalen, Lebensläufen, Gruppenzugehörigkeiten und Mobilisierungsstrukturen individuelle Radikalisierungsprozesse verbunden sind.

Zur Beantwortung der Forschungsfragen beinhaltet das Protestmonitoring drei eng miteinander verknüpfte Datenerhebungen: eine systematische Protestereignisanalyse, die die am WZB aufgebaute Prodat-Datenbank für die Jahre 1950 bis 2002 fortschreibt, eine Analyse der öffentlichen Debatten und eine Erhebung der Profile radikalisierter Akteure. Das Protestmonitoring basiert empirisch u.a. auf der Medienberichterstattung in überregionalen und regionalen Tageszeitungen sowie auf biographischen und sozialen Netzwerkdaten von Aktivist*innen, die an politischer Gewalt beteiligt sind, und kombiniert automatisierte und manuelle Methoden der quantitativen Inhaltsanalyse. Alle drei Datenerhebungen sind im Gange und die weitere Automatisierung mehrerer Datenerhebungen ist in Arbeit.