Vorurteilsmotivierte Gewalt. Forschungsstand und Folgen für die Betroffenen

Autor*innen
Rowenia Bender, Kristin Weber, Frank Asbrock
Organisation/Institut
Zentrum für kriminologische Forschung Sachsen e.V.
Fachgebiet
Kriminologie
Einsendeart
Ersteinsendung des Projekts
Projektstand
Abgeschlossen

Forschungseinrichtung(en)
Außeruniversitär (Forschungsgemeinschaft)
Publikationsformate
Forschungsbericht
Drittmittelförderung
Ja

Mittelgeber
Landesministerium

Zentraler Phänomenbezug
Übergreifend: Radikalisierung – Extremismus und/oder Terrorismus
Wie ist der aktuelle Stand der Forschung zu Vorurteilskriminalität in Deutschland? Wie hoch ist die Lebenszeitprävalenz von vorurteilsmotivierter Gewalt (im Vergleich zu anderen Straftaten)? Welche Auswirkungen hat vorurteilsmotivierte Gewalt (im Vergleich zu anderen Straftaten) auf Betroffene und indirekt Betroffene in Bezug auf Anzeigeverhalten, Vertrauen in Polizei und Justiz sowie Kriminalitätsfurcht?

Phänomenbereich
Phänomenübergreifend
Forschungsmethodik
Quantitatives Forschungsdesign
Zentralfokus
(primär) Person
 
  • Fragebogen
  • Erhebung in der virtuellen Welt
  • Deskriptivanalyse
  • Bivariate Verfahren
Unter den Befragten gaben 17.25 % an, (indirekte oder direkte) Gewalt aufgrund der eigenen Ethnie/Religion erfahren zu haben, fast 16 % aufgrund der sexuellen Orientierung und fast jede fünfte befragte Person erfuhr indirekt oder direkt Gewalt aufgrund des Migrationshintergrundes.
Personen mit Migrationshintergrund erlebten im Vergleich zur Gesamtstichprobe bis zu 2.5-mal häufiger vorurteilsmotivierte Gewalt.
Opfer von vorurteilsmotivierten Gewalttaten, sexueller Nötigung/Missbrauch sowie Polizeigewalt meldeten diese Vorfälle deutlich seltener der Polizei und brachten diese seltener zur Anzeige als Opfer von Einbruch, Raub, Körperverletzung oder digitalen Identitätsdiebstahl.
Betroffene von vorurteilsmotivierter Gewalt aufgrund des Migrationshintergrundes zeigten weniger Vertrauen in die Polizei/Justiz als Personen, die keine solchen Viktimisierungserfahrungen gemacht hatten.
Opfer mit Migrationshintergrund, insbesondere Opfer vorurteilsmotivierter Gewalt mit Migrationshintergrund, wiesen höhere Kriminalitätsfurcht auf als solche ohne Migrationshintergrund.
 

Praktische Umsetzung
Ausbau zielgruppenspezifischer Präventions- und Schutzmaßnahmen für marginalisierte Gruppen, z. B. durch sichere öffentliche Räume, bessere Beleuchtung, Videoüberwachung an kriminalitätsbelasteten Orten sowie niedrigschwellige Unterstützungsangebote. Förderung von Vertrauen in Polizei und Justiz, um die geringe Anzeige- und Meldebereitschaft Betroffener zu erhöhen und Rückzugstendenzen aus dem gesellschaftlichen Leben entgegenzuwirken.

 
Zitation des Projekts
Weber, K., Bender, R. & Asbrock, F. (2025). Vorurteilsmotivierte Gewalt. Forschungsstand und Folgen für die Betroffenen. In O. Decker, F. Kalkstein, J. Kiess & P. Kocyba (Hrsg.), Demokratie in Sachsen. Jahrbuch des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts für 2024 (S. 143-164). Edition Überland.
 
Quellenangabe projektbezogener Publikation
Weblink