Autor*innen
Ann-Kathrin Watolla, Patrick Zerrer, Jan Rau, Lisa Merten, Matthias C. Kettemann, Cornelius Puschmann
Organisation/Institut
Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft
Fachgebiet
Kommunikationswissenschaft
Kontakt E-Mail
ann-kathrin.watolla@hiig.de
Einsendeart
Ersteinsendung des Projekts
Projektstand
Abgeschlossen
Projektbeginn
01/10/2024
Projektende
31/03/2025
Forschungseinrichtung(en)
Außeruniversitär (Forschungsgemeinschaft)
Publikationsformate
Bericht
Drittmittelförderung
Ja
Mittelgeber
Andere (Bundesnetzagentur)
Zentraler Phänomenbezug
Radikalisierung (allgemein)
Arbeitshypothese(n)
Wie realisieren sich systemische Risiken auf digitalen Diensten und welche gesellschaftlichen Auswirkungen bringt dies mit sich?
Phänomenbereich
Nicht zuordnen
Forschungsmethodik
Qualitatives Forschungsdesign
Zentralfokus
(primär) Umfeld
Erhebungsverfahren
- Andere (Scoping Review)
Auswertungsverfahren
- Andere (Scoping Review)
Forschungsbefunde
Desinformationen sind kein isoliertes Phänomen, sondern sind im größeren Kontext der Prozesse von Meinungsbildung durch Online-Kommunikation zu betrachten. Die Verbreitung von Desinformationen erfolgt durch verschiedene Akteur:innen, darunter ausländische staatliche Akteur:innen, politische Parteien, Aktivist:innen und Influencer:innen. Die zugrundeliegenden Motive für die Verbreitung von Desinformationen reichen von politischer Einflussnahme bis hin zu kommerziellen Interessen in der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie, die darauf beruht, dass Aufmerksamkeit ein knappes Gut ist, das sich in Geld oder politischen Einfluss umwandeln lässt. Daher wird immer mehr Aufwand betrieben, um sie gezielt zu erzeugen, insbesondere mit negativ-emotionalisierten und Gruppenidentitäts-basierten Inhalten. Die Verbreitung von Desinformationen erfolgt auf verschiedenen Wegen. Dazu gehören koordiniertes inauthentisches Verhalten für die massenhafte Verbreitung von Desinformationen, Priorisierung der Sichtbarkeit von polarisierenden und emotionaliserenden Inhalten durch Empfehlungsalgorithmen, Manipulation von Suchmaschinen zur Priorisierung irreführender Inhalte sowie die Produktion und Verbreitung von Desinformationen mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) – und insbesondere generativer KI –, z.B. von Deepfakes.
Grundlegend lässt sich eine konfliktorientierte Verschiebung des öffentlichen Diskurses durch digitale Medien als Bedrohung für eine wichtige Funktion politischer Öffentlichkeit identifizieren: kollektives Handeln zu ermöglichen. Diese Verschiebung begünstigt einen diskursiven Stil, der durch Gruppenzugehörigkeiten, Konflikte und moralisierende Sprache geprägt ist. Desinformationen profitieren von diesen Mechanismen emotionaler Empörung und tragen gleichzeitig zur weiteren Polarisierung bei. Diese Polarisierung kann ideologisch, affektiv und themenbezogen sein. Die verschiedenen Formen der Polarisierung können sich gegenseitig verstärken und zu einer destruktiven Polarisierung führen, die eine Gefahr für demokratische Prozesse und den gesellschaftlichen Zusammenhalt darstellt. Da die digitale Transformation den öffentlichen Diskurs und die Interaktion zwischen Bürger:innen, politischen Akteur:innen und Institutionen grundlegend verändert hat, ergeben sich zudem neue Herausforderungen für das Vertrauen in politische Prozesse. Vertrauen wird als zentrale Grundlage für das Funktionieren demokratischer Gesellschaften identifiziert. Die oben genannte Diskursverschiebung geht mit einem Vertrauensverlust in demokratische Prozesse und Institutionen einher. Der Verlust dieses Vertrauens kann die Handlungsfähigkeit demokratischer Institutionen beeinträchtigen und die Bereitschaft zu Kompromissen verringern. Desinformationen sind in diese Entwicklungen eingebettet, wobei jedoch zwischen der Existenz von Desinformationen auf Online-Plattformen und -Suchmaschinen, der Exposition durch Nutzende sowie den daraus resultierenden Effekten z. B. auf Wahlverhalten unterschieden werden muss. Während die Existenz von großangelegten Desinformationskampagnen – wie beispielsweise der russischen Doppelgänger-Kampagne – klar nachgewiesen werden kann, gibt es bis dato kaum Studien zur Messung der Exposition von Desinformationen und zu den daraus resultierenden Effekten auf das Wahlverhalten. Insofern bedarf es einer kritischen Betrachtung, inwiefern die reine Existenz von Desinformationen in einen kausalen Zusammenhang mit z. B. Wahlergebnissen gestellt werden kann. Dies ist umso relevanter, als empirische Studien zeigen, dass Desinformationen in der öffentlichen Debatte als großes gesellschaftliches Problem wahrgenommen werden. Diese Wahrnehmung von – tatsächlicher oder vermeintlicher – Desinformation wird als eine Gefahr für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt betrachtet und wirkt sich zudem negativ auf das institutionelle Vertrauen aus.
Praktische Umsetzung
Plattformregulierung, Medienkompetenzförderung
Zitation des Projekts
Watolla, A., Zerrer, P., Rau, J., Merten L., Kettemann, M. C., & Puschmann, C. (2025). Gesellschaftliche Auswirkungen Systemischer Risiken. Demokratische Prozesse im Kontext von Desinformationen. Digital Services Coordinator Bundesnetzagentur. https://www.dsc.bund.de/DE/Fachthemen/DSC/1_Themen/StudienundForschung/downloads/AuswirkungenSystemischerRisiken.pdf?__blob=publicationFile&v=1
Quellenangabe projektbezogener Publikation
ff-c59d028fe508a01facb4d6e2ef4a6e6f-ff-AuswirkungenSystemischerRisiken.pdf